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Integrationsbemühungen

Unnas Ditib-Gemeinde kämpft gegen Vorurteile

Von Dirk Becker, 14.05.2018
Unnas Ditib-Gemeinde kämpft gegen Vorurteile © Dirk Becker
Den Gebetssaal der Moschee an der Höingstarße konnten Interessierte beim Gemeindefest Kermes besicht ...

Unna. Die Türkisch-Islamische Gemeinde nutzte ihr Kermes-Fest am Wochenende auch dazu, über den Islam zu informieren. Bestehende Vorurteile auszuräumen, ist nicht einfach. Die Gemeinde setzt auf den Kontakt zu Unnas Schulen.

Deutsche und türkische Fähnchen hängen direkt nebeneinander. Sie symbolisieren den Wunsch der Türkisch-Islamischen Gemeinde, in die Gesellschaft integriert zu werden. Mit dem Kermes-Fest machten die Muslime einen weiteren Schritt in diese Richtung. Allerdings – das wurde auch deutlich – ist es für die Gemeinde alles andere als leicht, bestehende Vorurteile auszuräumen.

Der Islam sei frauenfeindlich, verherrliche Gewalt. Das hören auch die Muslime in Unna immer wieder. Und noch dazu verstärkt die Demokratie-Krise in der Türkei die Sorgen. Der Ditib-Verband, der vom türkischen Staat kräftig unterstützt wird, sei der verlängerte Arm des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Auch dieses Bild hat sich festgesetzt.

„Wir können nur versuchen, die Menschen zu informieren“, sagt Ramazan Uysal, Jugendvorsitzender der Türkisch-Islamischen Gemeinde. Ohne die Unterstützung des türkischen Staates könnten die rund 1000 Ditib-Gemeinden in Deutschland kaum überleben, sagt er und verweist auf die hohen Kosten für den Bau und Betrieb von Moscheen.

Wie so eine Moschee aussieht, das konnten die Besucher des Gemeindefestes hautnah erleben. Wer seine Schuhe auszieht, darf den prunkvollen Gebetssaal betreten. Der weiche Teppich erinnert so gar nicht an die christlichen Gotteshäuser, die oft eher kalt wirken. Ramazan Uysal ist einer derjenigen, der Besuchern die Moschee zeigt. Er erklärt die einzelnen Elemente. Wer den Saal in Richtung Mekka betritt, entdeckt am linken Rand die Vortragskanzel (Kursü). Dort sitzt der Vorbeter (Imam) zum Freitagsgebet und zu besonderen Feiertagen. „Er erklärt, wie man ein guter Moslem wird und kündigt an, was in der Gemeinde passiert“, erklärt Uysal.

Unnas Ditib-Gemeinde kämpft gegen Vorurteile © Dirk Becker
Von der Gebetsnische (Mihrab) aus betet der Gemeindegeistliche (Hoca) vor, die Gemeinde (Cemaat) ant ...

An derselben Wand ist zentral die Gebetsnische (Mihrab) zu sehen. Wenn von dort vorgebetet wird, müssen die Gläubigen einen Mindestabstand einhalten. Rechts und links davon sind kleine Vorlesetische (Rahle) aufgestellt. Diese nutzen die Gläubigen zum Beispiel dazu, während des Fastenmonats Ramadan den Koran einmal ganz durchzulesen. Auch Gebetsketten (Tesbih) gibt es.

Unnas Ditib-Gemeinde kämpft gegen Vorurteile © Dirk Becker
Der Gebetsrufer (Muezzin) hat eine leicht erhöhte Position. Von dort ruft er den Gebetsruf (Ezan) un ...

Der Gebetssaal hat noch zwei weitere auffällige Elemente. Die Predigtkanzel (Mimber), die für Festgebete genutzt wird, und die Gebetsrufergalerie (Muezzin Mahfili), von wo zum Freitagsgebet gerufen wird.

Ist dieser Saal nun für Männer oder Frauen gedacht? Die Frage drängt sich auf, ist doch bekannt, dass im Islam streng nach Geschlechtern getrennt wird. Die Antwort von Ramazan Uysal überrascht: Der Saal ist für Frauen wie Männer da. Es gibt einen Bereich für Frauen, der lediglich durch eine Stoffbahn optisch abgetrennt ist. „Wenn sich nur Frauen im Saal befinden, kann auch eine Frau die Rolle des Imam übernehmen“, erklärt Uysal. Das passt so gar nicht in das Bild des frauenfeindlichen Islam. Und genau das will die Gemeinde zeigen.

Dazu sucht sie auch den Kontakt zu Unnas Schulen. Regelmäßig führen Mitglieder Klassenverbände durch die Räume der Moschee. Wer den Islam kennt, hat weniger Hemmungen im Umgang damit – das ist die Philosophie, die dahinter steht. „Wir wollen ja nicht, dass die Leute zum Islam übertreten. Wir möchten ihnen vor allem Sorgen und Ängste nehmen“, sagt Ramazan Uysal.

Moschee Höingstraße / Gebetssaal

Veränderungen stehen an

Die Türkisch-Islamische Gemeinde zählt in Unna aktuell 250 Mitglieder.

Sie hat ein Haus unmittelbar neben der Moschee an der Höingstraße gekauft. In dieses Gebäude soll die Wohnung des Hoca verlegt werden, der noch im Obergeschoss der Moschee wohnt.

Ramadan beginnt am Dienstagabend

Das Kermes-Fest an der Moschee an der Höingstraße deutete noch gar nicht auf das Fasten hin. Doch schon am Dienstagabend, 15. Mai, beginnt in diesem Jahr der heilige Fastenmonat der Muslime. Dann rückt der Glauben besonders in den Alltag der Menschen, die an den Islam glauben. Und er bestimmt mehr als sonst das Leben.

Da sich der islamische Kalender nach dem Mond richtet, kann der Ramadan mal 29 oder 30 Tage lang sein. Im Jahr 2018 dauert der Fastenmonat 30 Tage.

Während des Ramadans halten sich die Muslime an strenge Regeln. Erst nach dem Sonnenuntergang essen und trinken sie, auch Rauchen und Sex sind tabu. Reisende, Kinder, Altersschwache, Kranke und Schwangere sind von der Fastenpflicht befreit. Auch wer einer harten körperlichen Arbeit nachgeht, muss nicht fasten.

Unnas Ditib-Gemeinde kämpft gegen Vorurteile © Marcel Drawe
Die Frauen der Türkisch-Islamischen Gemeinde bereiteten die Speisen bei der Kermes vor Ort zu. Ab Di ...

Die Zeit nach dem Sonnenuntergang wird Fastenbrechen genannt. Viele islamische Gemeinde laden dann auch Menschen, die nicht als Muslime leben, zum gemeinsamen Essen ein.

Muslime sind aber auch aufgerufen, im Ramadan sich besonders stark für wohltätige Zwecke einzusetzen, auch mit Spenden. Das ist in der Öffentlichkeit weniger bekannt, die Hilfe erfolgt oft im Stillen.

Der Ramadan endet in diesem Jahr am Abend des 14. Juni. Traditionell feiern die Muslime danach drei Tage lang das Zuckerfest, das ganz im Zeichen der Familien steht. Muslimische Menschen besuchen dann ihre Verwandtschaft. Die Kinder bekommen Geschenke und freuen sich daher besonders auf das Zuckerfest. Weil es außerdem viele Süßigkeiten gibt, hat das Fest Id al-Fitr, das im Türkischen auch Ramazan Bayrami genannt wird, seinen Namen Zuckerfest bekommen.

Das Fasten ist eine der fünf Säulen des Islam. Es gehört zu den Hauptpflichten von Muslimen. Die übrigen vier Säulen sind das Glaubensbekenntnis, das Gebet, die soziale Pflichtabgabe und die Pilgerfahrt nach Mekka, die jeder Muslim einmal im Leben unternehmen soll.

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