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Hilfe vor allem für Behinderte

Am Bahnhof Unna fehlt ein „Mädchen für alles“

Von Thomas Raulf, 11.05.2018
Am Bahnhof Unna fehlt ein „Mädchen für alles“ © Marcel Drawe
Der Treppenlift im Bahnhof ist immer noch außer Betrieb. Wenn er wieder läuft, bleibt die Frage, wer ...

Unna. Der Zugang zu einem Gleis ist Gehbehinderten versperrt, die Toilette stößt viele ab, und der Weg in die Innenstadt ist beschwerlich: Das Bahnhofsumfeld soll einen Kümmerer bekommen. Zu tun wäre genug.

Der Bahnhof braucht Menschen, die Menschen helfen: Zur Lösung verschiedener Probleme rund um den Unnaer Bahnhof schlägt der Behindertenbeirat die Einrichtung der Stelle eines „Kümmerers“ vor. In Zeiten von Automatisierung und Personalabbau erscheint das zunächst abwegig, aber die ersten Gespräche zu dem Thema stimmen den Initiator sehr zuversichtlich.

Christian Baran als Vorsitzender des Behindertenbeirats berichtet von seinen Überlegungen, wie Probleme im Umfeld des Bahnhofs gelöst werden könnten. „Es müsste eine Person vor Ort sein“, lautet seine Schlussfolgerung. „Vor Ort“ bedeutet für ihn vor allem ansprechbar. Eines der wichtigsten Probleme ist die Treppe zu Gleis 1/18. Sie ist für Menschen mit Rollstuhl, auch für Nutzer von Rollatoren und Familien mit Kinderwagen schwer, beziehungsweise gar nicht nutzbar. Im Moment ist der dort vorhandene Treppenlift immer noch defekt. Aber auch wenn das Gerät funktionierte, war die Benutzung aufwendig: Nur geschultes Personal durfte den Lift bedienen. Das Gerät so umzurüsten, dass auch Nutzer eines „Euroschlüssels“ es selbstständig in Betrieb nehmen können, hatte die Bahn aus Sicherheits- und Versicherungsgründen immer abgelehnt. Der Service musste aber je nach gewünschter Fahrtzeit mit einigem Vorlauf angemeldet werden. Rollstuhlfahrer berichteten, dass sie entweder rat- und hilflos an der Treppe standen oder den Unnaer Bahnhof von vornherein mieden. Wäre auch zu späterer Stunde eine Servicekraft am Bahnhof ansprechbar, gäbe es diese Probleme nicht, so Barans Hoffnung. Für behinderte Menschen könnten auf diese Weise sogar spontane Zugfahrten möglich werden, eine Ankunft mit der Bahn in Unna zu einer nicht geplanten Zeit ebenso.

Im Bahnhofsumfeld sind verschiedene Institutionen tätig, die mit Menschen und Mobilität zu tun haben. Neben der Deutschen Bahn sind es auch der Nahverkehrs-Zweckverband ZRL und die Busgesellschaft VKU sowie die Awo-Tochter Das-Dies als Betreiberin der Radstation. In Vorgesprächen erfuhr Baran von einigen dieser Anbieter, dass sie allein wohl nicht in der Lage oder bereit wären, Rund-um-die-Uhr-Personal zur Verfügung zu stellen. Aber vielleicht gäbe es eine Chance, wenn man alle an einen Tisch bekäme, so der Tenor. Und das hat Baran bereits geschafft.

Am Bahnhof Unna fehlt ein „Mädchen für alles“ © Marcel Drawe
Die Behindertentoilette am Bahnhof funktioniert automatisch. Es müsste aber öfter Fachpersonal nach ...

Er berichtet von einem Gespräch, zu dem der städtische Baudirektor Michael Ott neben den Genannten auch das Jobcenter eingeladen hatte. Es sei überraschend konstruktiv verlaufen. Bis zu einem weiteren Termin in ein paar Wochen wollten alle Beteiligten offene Fragen klären, vor allem zur möglicherweise gemeinsamen Finanzierung des neuen Bahnhofspersonals. „Im Grunde müssten es drei Stellen sein“, sagt Baran. Er spielt auf einen Schichtdienst an, damit auch abends und nachts Menschen am Bahnhof von einer Person Hilfe erhielten.

Nur für die Bedienung des Treppenlifts einen Bereitschaftsdienst vorzuhalten, wäre sicher abwegig, sagt selbst Baran. „Aber es gibt eine Reihe von Aufgaben, die eine Person im Bereich hinter dem Rathaus erfüllen könnte.“ Das behindertengerechte WC zum Beispiel erwecke meistens den Eindruck sehr schlechter Pflege. Dort müsste öfter jemand nach dem Rechten sehen, meint Baran. Dieser Jemand sei auch als „wandelnde Infosäule“ vorstellbar. Eine Art Uniform mit entsprechender Aufschrift würde die Person als Ansprechpartner erkennbar machen, der Reisenden zu den am Bahnhof verfügbaren Verkehrsmitteln Hinweise gibt, beim Lesen von Fahrplänen oder bei anderen Schwierigkeiten hilft.

Außerdem schwebt Baran eine Verbesserung der Mobilität zwischen Bahnhof und Innenstadt vor. Damit, dass die Treppe zwischen Rathaus und Hotel nicht behindertengerecht umgebaut werden kann, hat er sich längst abgefunden. Ein „Platzmanager“ am Bahnhof könnte nach seiner Vorstellung aber den Aufzug im Rathaus rund um die Uhr nutzbar machen. Hätte die Person einen Schlüssel, könnte sie auf Abruf Behinderten die Rathaustür an der unteren Bahnhofstraße öffnen. Sie führt zum Lift, der Menschen auf die Ebene der Bürgerhalle bringen könnte.

Selbstreinigend und inzwischen kostenlos

Das behindertengerechte WC am Busbahnhof soll automatisch funktionieren. Die Anlage ist selbstreinigend. Nach einer Benutzung wird das Häuschen gespült. Das dürfte ein Grund dafür sein, dass meistens eine Pfütze auf dem Boden steht. Diese Nässe wiederum schreckt offenbar manchen Nutzer ab. Rollstuhlfahrer Christian Baran mit seinem Servicehund beispielsweise meidet die Toilette.

Dreimal in der Woche werde das WC aber auch von Fachpersonal gereinigt, sagt Stadtsprecherin Katja Sahmel. Die Anlage gehört zum Busbahnhof und damit in den Verantwortungsbereich des Rathauses. Sahmel verweist auf Kontaktdaten dieser Firma, die an der Toilette angebracht seien. Sie bittet darum, dass sich Nutzer im Rathaus oder bei dieser Firma melden, wenn Probleme auffallen. Sahmel bestätigt, dass die WC-Benutzung seit Anfang 2018 kostenlos ist. Der Aufwand für die Abholung des Bargelds habe die Einnahmen überschritten. Im Behindertenbeirat wurde kritisiert, dass das WC viel stärker verschmutzt werde, seitdem es kostenlos ist. Solche Hinweise seien bisher nicht an die Stadt herangetragen worden, so Sahmel.

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