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„Fahrzeug“ für den Feiertag

Vatertagstour mit einer echten Luxus-Karre

Von Dirk Becker, 09.05.2018
Vatertagstour mit einer echten Luxus-Karre
Stolz ist Max Weber auf seinen Bollerwagen, den er in vier Jahren immer weiter optimiert hat. Foto: ...

Massen. Ein frustrierender Tag war das – damals, vor gut vier Jahren. Max Weber war wie so viele andere Männer auch auf Vatertagstour, mitsamt Bollerwagen. Das Problem war ernst: Das mitgenommene Bier war längst nicht mehr kalt, sogar warm. „Da muss man doch mal etwas bauen“, dachte sich Weber.

Aus der zunächst spinnerten Idee des Masseners wurde ein Plan – und aus dem Plan der Bollerwagen für das „Vatertagsfest 1.0“, wie Weber es nennt. Er erinnert sich noch daran, wie sein Bollerwagen 2015 aussah. Der verfügte schon über einen Kühlschrank und einen Grill, nicht jedoch über ein Dach. Das kam dann 2016 – zum „Vatertagsfest 2.0“. Und inzwischen ziehen Weber und seine Freunde alljährlich nicht nur den Bollerwagen selbst von Massen nach Methler, sondern auch einen Anhänger, Weber nennt ihn „Beiwagen“.

Der Massener ist ein Tüftler. Er hat genaue Vorstellungen davon, was er will. Seine handwerklichen Fähigkeiten sorgen dafür, dass er seine Pläne umsetzen kann. Der 44-Jährige, der als Alleinunternehmer eine Haustechnikfirma betreibt, war schon Bauschlosser, Gas-Wasser-Installateur und hat in einer Schreinerei gearbeitet. Er hat dabei das Wissen erworben, das ihm heute hilft. Unterstützung hat er auch in seinem Schwiegervater und in Freund und Nachbar Mitchell gefunden. Meist allerdings schraubt Weber ganz allein an seinem Bollerwagen.

„Das ist doch ein netter Kerl, trotz der Dortmund-Aufkleber“, sagt ein anderer Nachbar, als Weber, der eine Dauerkarte für die Südtribüne des BVB hat, seinen Bollerwagen startklar macht für den Vatertag 2018. Am Robert-Koch-Weg, wo Weber wohnt, frotzelt man gerne miteinander. Ob die Fanfare nicht störe? Eine weitere Nachbarin winkt ab: „Solange die nicht um Mitternacht ertönt, ist doch alles gut.“

Zwei Garagen besitzt Weber. Und die braucht er auch. Eine dient als Abstellfläche, die andere als Werkstatt. Seit vier Jahren arbeitet der zweifache Familienvater dort nicht nur, aber vor allem an seinem Bollerwagen. Der wird immer weiter verfeinert und verbessert. Und das alles, obwohl das Gefährt nur einmal im Jahr zum Einsatz kommt – am Vatertag. „Wir könnten ihn auch noch am 1. Mai benutzen, aber da haben wir immer etwas anderes vor“, erklärt Weber.

Begonnen hat das Projekt „Bollerwagen de luxe“ mit einer einfachen Industriekarre. „Das war so eine Gitterbox, in der Dinge von einem Ort zum andern gerollt werden können“, erinnert sich Weber. Die Gitter baute er ab, der Unterboden diente ihm fortan als rollendes „Fundament“. Er verlängerte die Achsen, brachte die Seitenverkleidung an. Damit bekam die Karre eine Grundstruktur.

Kaltes Bier ist garantiert
Neben der Optik, war aber vor allem eines wichtig: Energie musste her. Schließlich sollte der Bollerwagen, der diesen Namen inzwischen kaum noch verdient, nicht nur gut aussehen, sondern vor allem kaltes Bier garantieren. Also baute Weber einen Kühlschrank ein. Darin werden bis heute die 0,5-Liter-Dosen gekühlt. 150 Dosen könnten die Wanderer transportieren, doch 100 reichen aus. Wer eine Dose aus dem Kühlschrank nimmt, muss eine neue nachlegen.

Ebenfalls Teil des Hauptwagens ist der Grill. Der wird auch heute wieder mit Würstchen und Fleisch bestückt – selbst, wenn das Wetter nicht so gut sein sollte. Weber erinnert sich an eine Frau, die vom Grillgeruch angelockt wurde. Er gab ihr damals eine Wurst. „Sie fragte, was die denn kosten würde. Da hab ich ihr gesagt: ein müdes Lächeln“, berichtet der Massener.

Weber gehört nicht zu den Männern, die grölend durch die Straßen ziehen. Dennoch darf natürlich auch eine Musikanlage nicht fehlen. Die ist auf dem Beiwagen installiert, der tatsächlich aus einem Puky-Bollerwagen entstanden ist. Und auf dem befindet sich auch ein Stromaggregat. Es ist ein ausgefeiltes Energiekonzept, das beim „Bollerwagen de luxe“ zum Einsatz kommt. So befinden sich im Hauptwagen auch noch eine Autobatterie und ein Ladegerät, mit dem diese unterwegs immer wieder aufgeladen wird.

Motor treibt Wagen an
Der absolute Clou ist aber der Motor, mit dem der Bollerwagen quasi selbst fahren kann. Das schwere Ziehen gehört der Vergangenheit an, nur bei Steigungen ist zum Teil noch Kraftaufwand möglich. Geregelt wird der Antrieb über den Griff, mit dem der Wagen gezogen wird. Bei Bodenwellen allerdings muss das Tempo reduziert werden, damit nichts kaputt geht. Eine spezielle Zulassung oder gar eine eigene Versicherung ist aber nicht erforderlich.

Komplettiert wird der Bollerwagen, der inklusive des Beiwagens 4,60 Meter lang und zwei Meter breit ist, von Getränkehaltern, einem BVB-Flaschenöffner und zahlreichen Lichtelementen am Dach. Er verfügt über ein Ersatzrad und Notfallwerkzeug. Und tatsächlich gab es schon einmal eine größere Panne: Ein Rad hatte sich 2016 von der Achse gelöst. Diese Reparatur war unterwegs aber nicht möglich. Webers Bollerwagen begeisterte die Unnaer Firma Stahlbau Merten so sehr, dass diese kostenlos die erforderlichen Schweißarbeiten erledigte.

Binnen vier Jahren hat Weber geschätzte 500 Stunden Arbeit in sein Projekt gesteckt. Wie viel Geld er investiert hat, kann er kaum abschätzen. Ein vierstelliger Euro-Betrag dürfte es sein.

Vatertagstour mit einer echten Luxus-Karre © Privat
Beim Vatertagsfest im Wäldchen am Jägerweg in Kamen-Methler tauschen sich die Bollerwagenbauer mitei ...

Das alles aber spielt keine Rolle, wenn die neunköpfige Gruppe heute wieder nach Methler zieht. Im Wäldchen am Jägerweg kommen immer rund 200 Wanderer zusammen. „Alles ist friedlich, ganz entspannt. Das ist mir wichtig“, berichtet Weber, der wohl wieder seinen gelben Hut aufsetzen wird. Das Fest in Methler bietet auch eine Gelegenheit zum Fachsimpeln. „Dahin kommen immer viele Leute mit ausgefallenen Wagen. Da spricht man über die neuesten Veränderungen“, sagt der 44-Jährige. Er ist sich sicher, dass sich auch sein Bollerwagen noch verbessern lässt. „Oder ich baue einfach einen ganz neuen.“

Kein Fest nur für Väter

Das Vatertagsfest zeichnet sich vor allem durch eines aus: seinen irreführenden Namen. Es ist nämlich ein Fest für alle Männer.

In Europa hat es seinen Ursprung vermutlich schon im Mittelalter. Damals wurden sogenannte Herrentagspartien unternommen.

Der Name Vatertag stammt aus den USA, wo der Vatertag um 1910 eingeführt wurde. Offizieller Feiertag ist der Vatertag dort aber erst seit 1972.

Unklar ist, warum der Vatertag in Deutschland stets an Christi Himmelfahrt gefeiert wird.

Auf der Suche nach „weiteren Verrückten“

So perfekt sein Bollerwagen auch schon erscheint: Max Weber möchte auch in Zukunft daran basteln. „Es wäre toll, wenn ich noch weitere Verrückte finde, die Spaß am n haben“, sagt der 44-Jährige. Interessierte können sich per E-Mail an maxweberunna@online.de an ihn wenden.

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