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Tierärztin erstattet Strafanzeige

Unbekannter bedroht Hunde per E-Mail

Von Thomas Raulf, 09.05.2018
Unbekannter bedroht Hunde per E-Mail © UDO HENNES
Dr. Doerte Kaufmann und ihr Mann Carsten Raulf leben auf ihrem Grundstück bei Lünern mit Cockerspani ...

Lünern. Eine Tierärztin hat eine beunruhigende E-Mail bekommen. Knapp und anonym bedroht ein Unbekannter ihre Wachhunde. Der Grund erscheint unbegreiflich. Sie sucht die Öffentlichkeit.

Seit zehn Jahren lebt Dr. Doerte Kaufmann mit ihrem Mann und ihren Hunden auf einem großen Grundstück am Hellweg. Drumherum gibt es außer Feldern nicht viel. Das Haus liegt in Höhe Lünern zwischen der B1 und dem Bahnhof des Dorfes. Der nächste Nachbar ist 200 Meter entfernt. Die Veterinärin, die als mobile Tierärztin im Kreis Unna unterwegs ist, berichtet von guten Kontakten ins Dorf. Auch Spaziergänger, nicht nur Tierhalter, begegneten ihr und ihrem Mann freundlich, sagt sie. Man kennt sich und mancher schätzt die Nähe zu der Tierärztin, die bei kleineren oder größeren Problemen helfen kann.

Diese Idylle trübt plötzlich das Böse in Form einer knappen E-Mail-Nachricht. „Wenn dieser Drecksköter nicht bald die Fresse hält wird man dafür sorgen das ihm das Maul gestopft wird.“ Im Betreff steht nur das Wort „Kleffköter“. Mit Rechtschreibung hat sich der Absender nicht viel Mühe gegeben, mit dem Erzeugen einer unverfänglichen E-Mail-Adresse zumindest ein wenig: pup@trash-mail.com. Doerte Kaufmann hat keine Ahnung, woher diese Drohung kommt.

Vor allem fällt es ihr schwer, den Grund zu verstehen. Das Gebell von Hunden ist immer wieder ein Thema für Ordnungsbehörden. In diesem Fall aber hatte es bisher nie Beschwerden gegeben. Weder dem städtischen Ordnungsamt noch der Ortsvorsteherin sind Hinweise zugetragen worden, wie beide unserer Zeitung gegenüber bestätigen.

Kaufmann hat drei Hunde: den schon etwas betagten Cockerspaniel „Rosa“ und die zwei Dobermann-Weibchen „Greta“ und „Ute“. Alle drei sind für Doerte Kaufmann und ihren Mann wie Familienmitglieder. Besonders laut wirken die Hunde nicht. Fremde werden nicht unbedingt mit Gebell begrüßt, wenn sie sich dem Grundstück nähern. Ein kurzer Test durch einen solchen Besuch führte kürzlich zu intensivem Schwanzwedeln, Bellen war sogar gar nicht zu hören. Wer schon ab und zu Hundehalter besucht hat, der weiß: Das geht auch anders.

Hunde sollen aufpassen
Die zwei Dobermänner seien tatsächlich auch Wachhunde, sagt die Halterin. „Durch sie fühle ich mich hier sicher. Und wenn sie bellen, dann machen sie einfach ihren Job.“ Der Radweg auf der Hellwegtrasse führt unmittelbar an dem Grundstück vorbei. Und wenn Fahrradfahrer vorbeikommen, dann kommentieren „Greta“ und „Ute“ das auch mitunter, indem sie Laut geben. Fühlt sich ein Fahrradfahrer durch die Hunde erschreckt, gestört oder bedroht? Mit Nachbarn hat Kaufmann teils schon gesprochen. Einer, der etwas näher liegt, erklärte ihr, er habe die Hunde noch nie gehört. Deswegen erscheinen ihr Passanten als „Verdächtige“ vielleicht naheliegend. Die E-Mail erschien in der vergangenen Woche am späten Mittwochabend auf ihrem Computer. Kurz zuvor habe ihr Mann die kleine Gänseschar, die auch auf dem weitläufigen Grundstück lebt, wie immer in den Stall getrieben. Bei der Aktion bellen die Hunde immer wieder. „Die Gänse sind aber meistens noch viel lauter“, sagt Doerte Kaufmann. Hat sie womöglich einen Feind, der ihr aus irgendeinem Grund einen „auswischen“ möchte? Auch diese Vorstellung ist für die Veterinärin abwegig. Sie sei mit niemandem im Streit.

Bereit zum Gespräch
Was neben vielen offenen Fragen bleibt, ist Verunsicherung. „Ich habe schon Angst, dass mir irgendjemand etwas über die Hecke wirft. Diese Nachricht ist einfach böse.“ Dr. Doerte Kaufmann hat bei der Polizei Anzeige erstattet. Die Chancen, dass der Absender der Nachricht ermittelt werden kann, erscheinen im Moment eher gering. Dass ein Unbekannter aus unbekanntem Grund Groll gegen sie hegt, macht das Problem so schwer greifbar. „Warum hat da jemand kein offenes Wort für uns?“ Die Tierärztin macht ihren Fall nun öffentlich. „Wir stehen jederzeit für Gespräche bereit. Wenn jemand ein Problem hat, soll er sich bitte melden.“

Wachhunde mit Zaun und Hinweisschildern

Die Dobermänner „Greta“ und „Ute“ sind Wachhunde und auch als solche bei der Stadt angemeldet. Ihre Halter achten darauf, dass die Hunde Niemandem Schwierigkeiten machen. Das Ehepaar hat Absprachen mit Paketlieferanten getroffen. Und sie haben ihr Grundstück mit einem Zaun gesichert. Die Hunde können also nicht ohne Weiteres auf die Straße laufen. Schilder am Zaun weisen auf die vierbeinigen Aufpasser hin.

Unbekannter bedroht Hunde per E-Mail © UDO HENNES
Mit Schildern weist die Hundehalterin auf ihre vierbeinigen Aufpasser hin. Foto: Hennes

Nötigung ist eine Straftat

Die Unnaer Polizei stuft die bedrohliche Nachricht in einer Ersteinschätzung als einen Fall von Nötigung ein. Eine Bedrohung im Sinne von Paragraf 241 des Strafgesetzbuches richtet sich gegen Menschen, was hier nicht der Fall ist. Eine Nötigung aber würde härter bestraft als eine Bedrohung: Eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren sieht der Nötigungsparagraf 240 vor, während Bedrohung mit maximal einem Jahr geahndet werden kann. Auch der Versuch einer Nötigung ist strafbar.

Ohne einen Beschuldigten allerdings wird die Aufklärung des Falls schwierig. Im Zuge der Anzeigenerstattung wurde der Datensatz, der zu der anonymen E-Mail gehört, gesichert. Offen ist, ob sich daraus Hinweise auf den Computer ermitteln lassen, von dem die Nachricht gesendet wurde. Lässt sich eine IP-Adresse herausfinden, also die Kennung des Computers, sei es vielleicht denkbar, über den E-Mail-Anbieter Daten zum Absender zu bekommen, sagt Polizeisprecher Thomas Röwekamp. Allerdings würden diese Daten nicht immer gespeichert.

Die E-Mail-Form, die der Absender hier benutzt hat, soll eigentlich Internetnutzer vor Nachrichtenmüll bewahren: So genannte Wegwerf-Adressen können benutzt werden, wenn ein Internetnutzer eine Mailadresse angeben muss, seine eigentliche private E-Mail-Adresse aber nicht preisgeben möchte. Innerhalb weniger Minuten ist eine solche Adresse über die Seite eines einschlägigen Anbieters angelegt. Persönliche Daten wie der echte Name oder die Postanschrift werden dabei nicht vom Anbieter verlangt.

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