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Übernahme durch Aperam

VDM-Kollegen haben keine Angst um ihre Arbeitsplätze

Von Thomas Raulf, 19.04.2018
VDM-Kollegen haben keine Angst um ihre Arbeitsplätze © Marcel Drawe
Die VDM-Mitarbeiter demonstrierten Geschlossenheit. Der Betriebsratsvize Ralf Springob begrüßte über ...

Königsborn. Selbstbewusst und optimistisch blickt die VDM-Belegschaft ihrer Zukunft mit schon wieder neuen Herren entgegen. Die Fusion mit Aperam soll die starke Position der Metallspezialisten noch weiter ausbauen.

Wir sind VDM!“, ertönte am Mittwoch der Schlachtruf durch die Unnaer Stadthalle. Über 1000 Mitarbeiter der VDM Metals Gruppe hatten Betriebsrat und IG Metall zur Versammlung in Unna mobilisieren können. Alle Standorte mit Ausnahme der US-amerikanischen waren vertreten. „Wir wollen zeigen, dass wir bereit sind, um unsere Arbeitsplätze zu kämpfen“, so begrüßte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ralf Springob aus Altena seine Kollegen. Zuvor wurden sie mit „Show must go on“, einem Hit der Rockband Queen, eingestimmt. Der Queen-Sänger Freddie Mercury war kurz nach diesem Lied 1991 gestorben. Die VDM-Kollegen sind allerdings weit davon entfernt, Endzeit-Stimmung zu verbreiten, weil ihr Unternehmen verkauft werden soll. Ganz im Gegenteil: „Wir begrüßen den Verkauf an Aperam“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Gerd Bendiks am Rande der Versammlung.

VDM-Kollegen haben keine Angst um ihre Arbeitsplätze © Marcel Drawe
Mitarbeiter aller deutschen VDM-Standorte kamen in die Stadthalle. Teils reisten die Belegschaften m ...

Das Unternehmen Aperam mit Sitz in Luxemburg produziert weltweit mit 9600 Mitarbeitern Stahlprodukte. Der Konzern kauft die VDM Metals Gruppe mit ihren 1950 Mitarbeitern vom Finanzinvestor Lindsay Goldberg Vogel. Was Umsätze mit der Herstellung von Hochleitungswerkstoffen angeht, liege Aperam weltweit auf Platz 4, VDM hingegen auf Platz 1, erklärte der VDM-Betriebsrat. Durch die nun geplante Fusion werde VDM „die unangefochtene Nummer 1 weltweit“, sagte Bendiks. „Wir haben im Moment überhaupt keine Angst vor Standortschließungen oder Entlassungswellen.“ Vielmehr sehe er in der Übernahme große Chancen, VDM weiterzuentwickeln.

„Natürlich sind wir nicht blauäugig“, sagte Bendiks. Wenn zwei große Firmen zusammengehen, gebe es sicher Potenzial für Synergien. Denkbar ist in solchen Fällen das Zusammenlegen von Abteilungen, die die gleichen Funktionen haben, und der damit verbundene Abbau von Arbeitsplätzen. Die beiden Unternehmen hätten aber wenig Überschneidungen, vielmehr würden sich die Produktgruppen gut ergänzen, sagte Bendiks. Seriöse Aussagen zur Zukunft könne er noch nicht machen, aber Bendiks zeigte sich sehr zuversichtlich.

Die Mitarbeiter hoffen nicht nur darauf, dass ihre Werke in Betrieb und durch weitere Investitionen auch erfolgreich bleiben, sondern auch darauf, dass sich ihre Bedingungen nicht verschlechtern. Die VDM-Belegschaft bezieht Tarifgehalt. Und mit allen bisherigen Erwerbern habe man erfolgreich Verträge ausgehandelt. Das soll auch mit Aperam geschehen, sagte Michael Lux von der IG Metall. Es sei gut, dass mit Aperam ein strategischer Investor gefunden wurde, so Lux.

Aus der Belegschaft waren am Mittwoch gelassene Töne zu hören. Er arbeite seit über 30 Jahren bei VDM, sagte Hans-Jürgen Poldt aus dem Werk in Altena. Einige Inhaberwechsel hat er schon mitgemacht. „Das wird jetzt der fünfte Name. Verschlechtert haben wir uns nie.“

Geschichte begann 1930

Die Vereinigte Deutsche Metallwerke AG (kurz VDM) entstand 1930 als Zusammenschluss zuvor eigenständiger Firmen. 1972 gründete VDM das Schmelz- und Gießwerk in Unna.

Mit 450 Mitarbeitern am Standort Formerstraße gehört VDM zu den großen Arbeitgebern in Unna.

Das Unternehmen produziert in Deutschland und den USA Nickel und Nickellegierungen, Kobalt, Zirkonium, Sonderedelstähle sowie Halbzeuge aus Aluminium und Kupfer. VDM ist Zulieferer unter anderem für die Automobil-, Öl- und Gasindustrie, Luftfahrt, Elektronik und Medizintechnik.

Rückblick auf fruchtbare Zeiten

Déjà-vu: Vor drei Jahren und drei Tagen genau versammelte sich die VDM-Belegschaft in der Unnaer Stadthalle. Thema war der Verkauf an den Finanzinvestor Lindsay Goldberg Vogel (LGV). „Es gab zu Anfang große Fragezeichen“, erinnert sich Betriebsratschef Gerd Bendiks. Ein „Private-Equity-Investor“ mit Hauptsitz in New York – geht das gut? Tatsächlich sei die LGV-Zeit für VDM „sehr fruchtbar“ gewesen, sagte Bendiks rückblickend. Der Investor, allen voran dessen Chef Dr. Thomas Ludwig, hätte sich stets fair gegenüber der Mitbestimmung verhalten. Alle Verträge wurden eingehalten, und offenbar steht VDM jetzt noch besser da als vorher. Ludwig und Co. hätten einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in VDM investiert, so Bendiks.

Das bedeutete Innovation auch in Unna. So ist an der Formerstraße inzwischen eine neue Fertigungsanlage in Betrieb. Die Vakuuminertgasverdüsungsanlage ermöglicht die Herstellung eines Pulvers aus einer Metalllegierung. Es kann für die Herstellung von Produkten mit 3D-Druck verwendet werden. Die ersten Kunden würden bereits mit dem Pulver bemustert, teilte VDM mit. Außerdem würden gerade die Schmelzkapazitäten von VDM mit dem Bau einer siebten Anlage erweitert.

Der Aperam-Konzern wird der jüngste in einer Reihe von VDM-Inhabern. Ab 1988 gehörte das Unternehmen zur Krupp Stahl AG, nach deren Fusion mit Thyssen ab 2002 zu Thyssen-Krupp. Der deutsche Stahlriese verkaufte VDM 2012 an Outokompu in Finnland, der Verkauf wurde 2013 rückgängig gemacht. 2015 erfolgte die Übernahme durch LGV.

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