Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Stadtentwicklungsprojekt Rat- und Bürgerhaus

Kosten für das Holzwickeder Rathaus haben sich verdoppelt

Von Yvonne Schütze-Fürst, 07.06.2018
Kosten für das Holzwickeder Rathaus haben sich verdoppelt © Udo Hennes
Bei dem Architektenwettbewerb belegte dieser Entwurf den ersten Platz. Foto: Archiv

Holzwickede. In der Ratssitzung am Donnerstagabend werden die Kosten des neuen Rat- und Bürgerhauses zum Zankapfel. Der Umbau des Verwaltungsbaus zum Rat- und Bürgerhaus wird mit 20 Millionen Euro viel teuer als zuerst geplant.

Es soll nicht acht bis neun Millionen Euro kosten, wie zum Beginn des Verfahrens 2016 geplant, sondern etwa 20 Millionen Euro verschlingen – das neue Rat- und Bürgerhaus ist schon lange vor dem ersten Handgriff von Bauarbeitern eine teure Angelegenheit und Zankapfel der Politik. Die Fraktionen haben zwar im Planungs- und Bauausschuss, zuvor in Arbeitskreissitzungen und am Donnerstagabend im Rat Sparmaßnahmen beschlossen. Die Gesamtkosten werden aber bei derzeit etwa 20 Millionen liegen. Für die SPD, den Bürgerblock, die Grünen und die FDP ist das kein Grund zur Sorge, wie in der Ratssitzung deutlich wurde. Sie sehen das ISEK mit der 60-prozentigen Förderung als Chance für die Stadtentwicklung. Die CDU sieht es anders, möchte nun hinsichtlich der Kostenentwicklung in Alternativplanungen einsteigen.

Dem Beschluss der Sparmaßnahmen, die wie berichtet bei rund einer Million Euro liegen, stimmte die CDU im Rat auch nicht zu. Den Grund legte Roland Schüttfort dar: „Es liegen keine belastbaren Zahlen vor, wie sich diese Investition auf unsere zukünftige Haushaltssituation auswirken wird.“ Er rief weitere geplante Projekte wie den Ausbau der Montanhydraulikstraße ins Gedächtnis. Für die sei dann kein Geld mehr da, erinnerte er auch an die „leidvolle Erfahrung“ mit der Carolinenbrücke. „Das ist eine Nummer zu groß für Holzwickede“, bekräftigte Frank Lausmann (CDU). Die CDU sehe sich den Bürgern verpflichtet, „wirtschaftlich mit Steuergeldern umzugehen.“

Und so stimmte die CDU mit acht Stimmen gegen den Beschluss.

Die Verwaltung hatte in einer Pressemitteilung, die laut Bürgermeisterin Ulrike Drossel vor der Ratssitzung auch an die Ratsmitglieder verschickt wurde, das Verfahren noch einmal erläutert. Und betont, dass es zu diesem Zeitpunkt nicht darum gehe, eine Kostenobergrenze festzulegen. Zahlen nannte die Verwaltung lediglich in der Mitteilung. Die Gesamtkosten liegen demnach bei 19,5 Millionen Euro (brutto). Der Eigenanteil der Gemeinde bei 8,5 Millionen Euro. Rund 11 Millionen Euro werden gefördert. Der Eigenanteil soll durch den Verkauf des gemeindeeigenen Gebäudes an der Allee 10 reduziert werden.

Mit dem neuen Rathaus soll eine Traditionsgeschichte endgültig enden

Der Ratskeller hat in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufregung gesorgt. Dabei lief zuvor lange Jahre alles glatt. Die eigentliche Geschichte der Traditionsgaststätte begann schon mit den Planungen für das Rathaus an sich – also vor weit mehr als 100 Jahren. Seinerzeit sprach sich, wie Hobbyhistoriker Dr. Eden herausfand, der damalige Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde, Walther Sattler, gegen den Rathausbau aus. 80.000 Reichsmark sollte der Bau kosten und der „doch recht teure Prunkbau“ mit „gehobener Gastronomie in einem Ratskeller“ in der Nähe zur evangelischen Kirche sei doch „absolut überflüssig“, meinte der Pfarrer im Jahr 1914.

Über die Anfänge der Gastronomie im Jahr 1927 ist wenig bekannt. Mit Blick auf die jüngere Zeit erinnern sich viele noch an die Ära „Pino“, die 2010 mit der Insolvenz des Ratskellerpächters endete. Die Gemeinde begab sich auf die Suche nach einem Nachfolger. Nach der Insolvenz des Wirts wurde aber bekannt, dass der Gemeinde über Jahre Mietzahlungen entgangen waren, ohne dass jemand etwas unternommen hätte. Am Ende stand eine Schadenssumme von 90.000 Euro im Raum. 2012 übernahm eine Dortmunder Gastronomiefamilie den Ratskeller. Für den Pächter Ledjan „Leo“ Duzha war das, „der Traum seines Lebens“, wie unsere Zeitung seinerzeit berichtete.
Kosten für das Holzwickeder Rathaus haben sich verdoppelt© UDO HENNES
Es dauerte knapp ein Jahr und der neue Pächter musste Insolvenz anmelden. Wieder stand der Ratskeller vor einer ungewissen Zukunft. Unternehmer Thomas Wiese meldete Interesse am Ratskeller an. Doch auch Wiese scheiterte, schloss am 1. Juni 2016 überraschend die Türen. Seitdem sucht die Gemeinde nach einem Nachfolger. Und Bürgermeisterin Ulrike Drossel verkündet noch in diesem Jahr im März im Gespräch mit unserer Zeitung, dass sie einen Pächter habe, der nach der Fertigstellung des Neubaus den Ratskeller übernehmen wolle. Der Gastronom sei bereit, zu warten, bis der Um- und Anbau abgeschlossen ist.

„Der Ratskeller soll bleiben“, so verkündete im gleichen Monat Winfried Hardung (CDU) und sprach für alle Fraktionen. Denn Christian Grimm, bei der Verwaltung für den Bau des Rat- und Bürgerhauses zuständig, hatte angefragt, ob über eine Alternativlösung für die Gastronomie im Rathaus nachgedacht werden sollte. Grimm wollte einen Prüfauftrag seitens der Politik – und den bekam er nicht.

Dann aber befand sich der Punkt Ratskeller auf einer Streichliste, welche die Verwaltung im Planungs- und Bauausschuss am Dienstag vorlegte (wir berichteten). „Für uns ist der Ratskeller mit einer attraktiven Außengastronomie für einen lebendigen Marktplatz unverzichtbar“, so Frank Markowski (CDU). Daran änderte auch das neue Bistro im Rathaus nichts.

Die Mehrheit aber stimmte nun für den Verzicht auf den Ratskeller und damit für eine Kostenersparnis.

Kommentare


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.