Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Maikundgebung in Oberaden

Zwischen Nostalgie und Digitalisierung

Von Michael Dörlemann, 01.05.2018
Zwischen Nostalgie und Digitalisierung © Stefan Milk
Rund 200 Menschen zogen vor der Kundgebung vom Museumsplatz mit dem scheidenden SPD-Landesvorsitzend ...

Bergkamen. Der scheidende Bergbau und die Zukunft der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik standen im Mittelpunkt der Oberadener Maikundgebung in diesem Jahr. Für die Redner war das Anlass, vor mehr als 400 Zuhörern an die Tugenden der Bergleute zu erinnern.

Seit 70 Jahren gibt es die Maikundgebung in Oberaden und in diesem Jahr soll der deutsche Steinkohlenbergbau endgültig sein Ende finden. Es gab ausreichend Grund für Bergbau- und Ruhrgebietsnostalgie – und die wurde bei der Kundgebung mit dem scheidenden SPD-Landesvorsitzenden Michael Groschek an diesem Dienstag auch zelebriert. Das Rednerpult in der Römerberghalle stand vor einem Grubenausbau aus Holz - dem Barbarastollen - den der Bergbau-Geschichtskreis aus dem Bergkamener Stadtmuseum aufgebaut hatte. Die Bühne war flankiert von zwei überdimensionalen Grubenlampen und gleich daneben warb das Bild eines kohle-schwarzen Kumpels für Solidarität. An den Wänden hingen Fotos und Plakate von vergangenen Oberadener Maikundgebungen.

Bedeutung des Bergbaus

Zwischen Nostalgie und Digitalisierung © Stefan Milk
Bürgermeister Roland Schäfer erinnerte an die Bergbau-Vergangenheit Bergkamens. Foto: Milk
Das bildete den passenden Rahmen für die Redner, bei denen die Bergbau-Vergangenheit einen großen Raum einnahm. Zwar ging keiner von ihnen so weit, wie eine Splittergruppe, die auf dem Marsch vom Museumsplatz zur Halle vor der Kundgebung forderte, die Zechen auf keinen Fall unwiederbringlich zu schließen und damit mindestens 15 bis 20 Jahre zu spät kam. Alle aber wiesen auf die Verdienste des Bergbaus beim Wiederaufbau nach dem Krieg und die Solidarität unter Tage hin – als Vorbild für die Gesellschaft heute. Mit Groschek hatten sich die Veranstalter von der IG BCE auch den passenden Mairedner eingeladen, obwohl er eigentlich nicht die erste Wahl war. Er ist selbst in einer Zechensiedlung aufgewachsen und schilderte eindringlich seine Kindheit bei den Großeltern mit vielen Berginvaliden in der Nachbarschaft. Nicht nur er erinnerte daran, wie sehr der Bergbau Bergkamen und das ganze Ruhrgebiet geprägt hat. Bergkamen sei immer noch eine Stadt, die von Arbeitnehmern geprägt ist, auch wenn die IG BCE mittlerweile die Chemiearbeitnehmer und die Mitarbeiter aus den Kraftwerken vertritt, sagte Bürgermeister Roland Schäfer.

Kritik an Steuerschlupflöchern

Zwischen Nostalgie und Digitalisierung © Stefan Milk
Der IG BCE-Bezirksvorsiteznde Lothar Wobedo hielt eine kämpferische Rede. Foto: Milk
Bei der Rückbesinnung auf alte und vermeintlich bessere Zeiten blieb es auf der Maikundgebung nicht. Fast aus allen Reden ließ sich heraushören, dass großen Teile der Gewerkschaften und der NRW-SPD die Koalitionsvereinbarung der neuen großen Koalition in Berlin nicht weit genug gehen, wenn es um Sozialpolitik geht. Schon der Vorsitzende des IG BCE-Regionalforums Bergkamen/Kamen, Olaf Tastler, hielt eine kämpferische Rede, in der er sichere Arbeitsplätze, ausreichende Renten, gerechte Steuern und bezahlbare Mieten forderte. Der IG BCE-Bezirksvorsitzende Lothar Wobedo wetterte gegen Steuerschlupflöcher für Großuntermehmen und forderte eine stärkere Teilhabe der Arbeitnehmer am wirtschaftlichen Aufschwung.

Damit lieferte beide die Vorlage für Groschek, der in der auch parteiinternen Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen klar Stellung bezog: Er lehnt das Grundeinkommen ab und sprach sich stattdessen für einen höheren Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde und öffentliche Beschäftigungsprogramm für Langzeitarbeitslose aus. „Die öffentliche Hand muss Arbeit und nicht die Arbeitslosigkeit bezahlen“, sagte er. Groschek forderte mehr Investitionen in die Bildung und eine bessere Finanzausstattung der Kommunen, um dringende Infrastrukturmaßnahmen bezahlen zu können. Und er mahnte, bei der Digitalisierung die Arbeitnehmerrechte im Auge zu behalten. Er sehe die Gefahr, dass Arbeitnehmer künftig sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag in Bereitschaft stehen müssten. „Wir haben für die Fünf-Tage-Woche und den Acht-Stunde-Tag gekämpft und das dürfen wir nicht aufgeben“, rief er aus.

Steigerlied zum Schluss

Zwischen Nostalgie und Digitalisierung © Stefan Milk
Das Werksorchester des Bergwerks Ost spielte zum Abschluss das Steigerlied. Foto: Milk
Nach so viel Ausblick in die Zukunft endete die Maikundgebung dennoch mit einem gehörigen Teil Nostalgie. Zum Abschluss spielte das Werksorchesters des ehemaligen Bergwerks Ost „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“ und das „Steigerlied“, das die meisten mitsangen. Die Organisatoren überreichten Groschek eine Bergmannsskulptur. Anschließend gab es - wie in jedem Jahr - Erbsensuppe zum Abschluss.

Kommentare


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.