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Hellweger Anzeiger
Westfälische Rundschau

Waffenamnestie 2017

Wenn Opa seine Waffen vererbt

Von Philipp Stenger, 07.12.2017
Wenn Opa seine Waffen vererbt © vkara - stock.adobe.com
Das kann jedem passieren: Der Großvater stirbt und seine Waffen gehen an die Erben. Wer diese Waffen ...

Kreis Unna. Es sind nicht zwangsläufig Verbrecher und Schwarzmarktkäufer, die die Waffenamnestie 2017 ansprechen soll. Es reicht schon ein ungewolltes Erbe vom Großvater oder ein unerwarteter Fund auf dem Dachboden des eigenen Hauses – schon kommt auch der gesetzestreue Bürger in den Besitz von Waffen und Munition, ohne die hierfür nötigen Papiere zu haben. Die Amnestie, die es Besitzern von illegal besessenen Waffen ermöglicht, diese straffrei bei der Polizei abzugeben, startete am 1. Juli diesen Jahres und ist noch bis zum 1. Juli 2018 gültig.

Das Waffengesetz sieht für solche Fälle normalerweise vor, dass der Betroffene den Besitz unverzüglich der zuständigen Behörde anzeigen muss (WaffG § 37). Sollte dies nicht geschehen, droht dem Waffenbesitzer eine empfindliche Geldstraße in einer Höhe von bis zu 10.000 Euro (WaffG § 53).

Nun kann es natürlich vorkommen, dass sich ein Bürger – aus welchen Gründen auch immer – nicht an diese Regelung hält. Vielleicht vergisst der unverhoffte Waffenbesitzer schlichtweg, der Polizei rechtzeitig Bescheid zu geben. Vielleicht hält ein Bürger es für eine gute Idee, Großvaters Schusswaffe „für alle Fälle“ auf dem Dachboden zu verstecken.

Erfolge im Kreis Unna
Da der Staat natürlich kein Interesse daran hat, dass Waffen in illegalem Besitz bleiben, weil die Betroffenen eine Strafe fürchten, gibt es die Waffenamnestie. Die Aktion hat offenbar Erfolg, wie eine Anfrage bei der Kreispolizeibehörde bestätigt. Hauptkommissarin Ute Hellmann berichtet, dass seit dem 1. Juli insgesamt 385 Waffen bei der Kreispolizeibehörde abgegeben wurden, von denen 94 in den Rahmen der Amnestieregelung Fallen. Zum Vergleich: In den drei Monaten zuvor waren es noch insgesamt 172 Waffen und andere Gegenstände, so Hellmann. Bei den 94 Waffen, die die Betroffenen im Rahmen der Amnestieregelung abgegeben haben, handelte es sich laut Hellmann um 42 Langwaffen, 39 Kurzwaffen und 13 sonstige Gegenstände.

Oft sind es Erbstücke
Illegal erworbene Waffen seien dabei aber kaum relevant, meint Hellmann. In vielen Fällen handele es sich im Kreis um Erbstücke, die die Erben ohne die entsprechende Erlaubnis behielten.

Bei der Waffenbehörde der Kreispolizei Unna seien insgesamt acht Mitarbeiter beschäftigt, erläutert Hellmann. Zusätzlich werden Waffen aber auch häufig von den Mitarbeitern der verschiedenen Polizeiwachen entgegengenommen. Bei der Übergabe, erklärt Hellmann weiter, kommen die Waffenbesitzer meist direkt zur örtlichen Polizeiwache und geben die Waffen ab. Es gebe aber auch Fälle, in denen jemand etwa ein Haus gekauft hat, auf dessen Dachboden mehrere Waffen gelagert wurden, die der Betroffene nicht selbst zur Polizei bringen konnte. In solchen Fällen werden die Waffen dann auch von der Polizei selbst abgeholt.

Hellmann betont zudem, dass viele Personen auch völlig unabhängig von der Amnestieregelung Waffen bei der Polizei abgeben. Viele dieser Fälle fielen laut Hellmann dabei nicht unter die Amnestieregelung, etwa, wenn ein Jäger oder Sportschütze sein Hobby aufgibt und deshalb seine Waffen abgeben möchte.

Wer also vor einiger Zeit in den Besitz von Waffen gekommen ist und nicht über die nötigen Papiere verfügt, kann sich noch bis zum 1. Juli 2018 bei der Polizei melden, ohne dass er strafrechtliche Konsequenzen fürchten muss.

Lang- und Kurzwaffen

Lang- und Kurzwaffen werden vom Waffengesetz definiert (WaffG Anlage 1 zu § 1 Absatz 4).

Langwaffen sind demnach Schusswaffen, deren Lauf und Verschluss in geschlossener Stellung insgesamt länger als 30 Zentimeter sind und deren kürzeste bestimmungsgemäß verwendbare Gesamtlänge 60 Zentimeter überschreitet (zum Beispiel Flinten).

Kurzwaffen sind alle anderen Schusswaffen, wie etwa Revolver.

So handeln Betroffene, wenn sie illegal Waffen besitzen

Wer sich im Besitz von Waffen befindet, ohne hierfür die nötigen Papiere und Genehmigungen zu haben, muss schnell handeln.

Das Waffengesetz schreibt vor, dass nicht nur Erben Waffen anzeigen müssen, die sie nicht besitzen dürfen, sondern zum Beispiel auch Insolvenzverwalter, Gerichtsvollzieher, Zwangsverwalter und auch Personen, die Waffen finden. Die Betroffenen müssen die Waffen dann in jedem Fall bei der Polizei anzeigen und, soweit noch vorhanden, die Waffenbesitzkarte und den Europäischen Feuerwaffenpass zur Berichtigung vorlegen.

Sollte die Waffe von den Betroffenen unbrauchbar gemacht oder gar zerstört werden, so muss der Besitzer dies der zuständigen Behörde binnen zwei Wochen mitteilen (schriftlich oder elektronisch) und den Gegenstand, falls gewünscht, bei der Behörde vorlegen.

Dabei muss der Besitzer zudem seine Personalien sowie Art, Kaliber, Herstellerzeichen oder Marke und – sofern vorhanden – die Herstellungsnummer der Schusswaffe angeben.

Im Kreis Unna können sich Betroffene etwa an die Kreispolizeibehörde wenden unter 02303/9210 oder eine E-Mail an poststelle.unna@polizei.nrw.de senden.

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