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Hellweger Anzeiger
Westfälische Rundschau

Ein ganzer Kerl in Frauendomäne

Von Alexander Heine, 17.02.2017
Ein ganzer Kerl in  Frauendomäne

Im Januar hat der 20-jährige Pascal Reinkensmeier die Ausbildung zum staatlich anerkannten und geprü ...

Im Januar hat der 20-jährige Pascal Reinkensmeier die Ausbildung zum staatlich anerkannten und geprüften Erzieher begonnen. Seitdem ist er im St.-Josef-Kindergarten mindestens einmal die Woche umringt von Kindern.Fotos (3): Art

Fröndenberg. Pascal Reinkensmeier ist so etwas wie eine Rarität. Weil er etwas macht, das für viele andere junge Männer gar nicht erst in Frage kommt. Für ihn dagegen erfüllt sich mit der Ausbildung zum Erzieher ein lang gehegter Berufswunsch.

Mit Kindern konnte Pascal Reinkensmeier schon immer gut, doch erst mit dem Boys Day vor einigen Jahren wurde aus einer nebulösen Idee ein reeller Berufswunsch. Nach dem Tagespraktikum in einem Kindergarten wusste der heute 20-Jährige schon als Siebtklässler, dass er später mal etwas mit Kindern machen möchte. Seit Januar macht er nun genau das: eine Ausbildung zum staatlich anerkannten und geprüften Erzieher.

Abwechslung und viel Verantwortung

Einmal die Woche ist er im St.-Josef-Kindergarten umringt von insgesamt 45 Kindern, die mit ihm toben, spielen und Spaß haben wollen. Die er manchmal auch trösten muss, wenn sie sich wehgetan haben oder traurig sind. Und zwischen denen er hin und wieder auch vermitteln muss, wenn sie streiten. „Abwechslungsreich“ nennt er das. Und genau diese Abwechslung ist es, die den Beruf für ihn ausmacht. „Es ist spannend, zu sehen, wie die Kinder sich entwickeln“, sagt er. Und ist sich bewusst, dass damit eine große Verantwortung einhergeht.

Für die frühkindliche Entwicklung ist ein Kindergarten neben dem Elternhaus ein wichtiger Baustein. Zumal dort längst nicht mehr nur gespielt wird. Kinder lernen hier den ganzen Tag etwas hinzu. Indem sie sich selbst ausprobieren, aber auch, indem sie Dinge von anderen Kindern abschauen – und von Erziehern.

Insbesondere vor diesem Hintergrund ist es zumindest suboptimal, dass Kindergärten genau wie viele Grundschulen Frauendomänen sind. In dem fünfköpfigen Team aus Erziehern an der Graf-Adolf-Straße ist Pascal Reinkensmeier der sprichwörtliche Hahn im Korb. Und auch in seiner Klasse am Hönne-Berufskolleg Menden zählt er nur sechs Männer bei 14 Frauen.

Dabei sind Männer wichtige Bezugspersonen für Kinder. „Sie sehen viele Dinge ganz anders, viel unkomplizierter als wir Frauen“, sagt Erzieherin Martina Liefländer. „Sie gehen ganz anders mit den Kindern um.“ Natürlich könnten auch Frauen fußballspielen und handwerken. „Aber anders“, sagt Liefländer mit einer Portion Selbstironie.

Jungs identifizieren sich mit Männern

Ein ganzer Kerl in  Frauendomäne

Auf dem Spielteppich ist jeden Morgen eine Menge los: Hier wird gebaut, gepuzzelt und gespielt.

Auf dem Spielteppich ist jeden Morgen eine Menge los: Hier wird gebaut, gepuzzelt und gespielt.

Dahinter steckt durchaus etwas Ernstes. Denn gerade auch für die Entwicklung von Jungen spielen Männer eine wichtige Rolle. Sie identifizieren sich mit ihnen, blicken zu ihnen auf. Männer sind schlicht und ergreifend wichtige Vorbilder für Jungs. Pascal Reinkensmeier hat das an seinen ersten Arbeitstagen in der Einrichtung ganz praktisch erlebt. Für die Kinder war er eine Art Attraktion, jeder wollte mit ihm spielen, ihn für sich haben. Heute ist es auch für die Kinder ganz normal, dass der 20-Jährige einfach da ist.

Zur Frage, warum so wenige Männer sich für diesen Beruf interessieren, kann auch der 20-Jährige nur mit den Schultern zucken. Vielleicht liegt es an der Bezahlung. „Für mich war das kein Thema“, sagt er. „Ich bin kein Mensch, der sich sonderlich viel aus Geld macht.“ Das Lachen der Kinder sei für ihn der größte Lohn, sagt er.

Die Ausbildung

Der Weg zum anerkannten und geprüften Erzieher führt Pascal Reinkensmeier über eine schulische Ausbildung, mit der er gleichzeitig sein Abitur macht.

Die dreijährige Schulzeit am Hönne-Berufskolleg Menden geht einher mit unterschiedlichen Blockpraktika.

Dieser Zeit schließt sich ein Anerkennungsjahr in einer pädagogischen Einrichtung an.

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